EM 2008: Wir gewinnen! Aber WIR spielen doch gar nicht!?

Veröffentlicht auf von Koolteeth

Spätestens seit Sonntag hört man es überall: "Wir gewinnen die EM!". Nun, ob die deutsche Mannschaft das wirklich macht, sei dahin gestellt. Das lustige ist doch, dass "wir" gar nicht an der EM teilnehmen. Elf Menschen, mir persöndlich völlig unbekannt, bis auf das, was ich aus den Medien über sie weiß, spielen am Sonntag ein Spiel. Währenddessen sitze oder stehe ich und schaue mir das an.

Das tolle ist doch, dass sich jeder mit diesen elf Typen identifiziert. Plötzlich spielen "wir", gewinnen "wir" und dann feiern wir. Ganz Deutschland, egal ob groß oder klein, dunkel oder hell, alt oder jung, ganz Deutschland vereinigt sich gedanklich in elf Fußballern. Man vergisst sich selbst in diesem Moment. Wir fühlen alle gemeinsam. Sieg oder Niederlage. Und nocheinmal, es sind doch nur elf Spieler, die gewinnen oder verlieren!

Dieses "Wir", wie es auch in der Floskel "Wir sind Papst" benutzt wurde, gehört zu den typischen menschlichen Eigenarten. Die Identifizierung mit einer Gruppe, egal ob Religion oder Herkunft, kann zum Einen natürlich positive Auswirkungen haben. Man ist nicht alleine, man gehört dazu. Andererseits lassen sich dadurch aber auch negative Effekte erzielen. Geht es der Gruppe schlecht oder wird ein Mitglied meiner Gruppe beleidigt, dann bin auch ich betroffen.

Dabei bin ich doch nur ich. Meine Religion, meine Herkunft, sie sind nur unerhebliche Argumente meiner eigenen Persönlichkeit. Ich fühle mich als der, der ich bin. Geprägt durch mein individuelles Leben.

Wenn die deutsche Nationalelf am Sonntag spielt, dann spielen "sie". Wenn sie gewinnen, dann freue ich mich, weil sie gewonnen haben. Aber ich habe dadurch nichts gewonnen.

Veröffentlicht in Gedanken

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