Effekt von realitätsnahen Gewaltdarstellungen?

Veröffentlicht auf von Koolteeth

Als ich als Kind Räuber und Gendarme gespielt habe, hat jeder von einer Pistolenkugel getroffene versucht, so auffällig, laut und oscarreif zu Boden zu gehen, wie nur möglich. Aus unseren Erfahrungen mit dem Tod durch Erschießen - aus TV und Video-Spiel - wussten wir, dass das vollkommen ausreichend war, um den Tod überzeugend darzustellen. Von reeller Sicht aus vollkommen naiv.

Heute wird sowohl im TV, als auch in Computerspielen real und bisweilen übertrieben gewalltvoll der sogenannte Löffel abgegeben. Nun will sicher kein erwachsener Mensch behaupten, im Gegensatz zu früher, würden heute Kinder keine Chance mehr haben, an verbotene Früchte heranzukommen. Wir wissen, wie einfach es war und mit heutigen technischen Mitteln, wie einfach es sein muss.

Nicht das dadurch auch der klassische und emotionale Tod von der Leinwand fast vollkommen verschwunden ist, auch die Vorstellung in den Kinderköpfen von der Brutalität einer Schussverletzung wurde dadurch beeinflusst. Denn wie man durch eine Schussverletzung stirbt, weiß man im Normalfall erst, wenn man dies gesehen (und/oder überlebt) hat. Dies geschieht wohl sicherlich in erster Linie durch fiktive Darstellungen und gewiss weniger durch den Anblick von Nachrichten. Wer schaut als Kind schon aufmerksam und regelmäßig Nachrichten?

Realitätsnahe Gewalltdarstellungen sind auch auf legale Art immer mehr in den Konsumbereich von Kindern geraten. Im Vergleich zu vor 10-20 Jahren findet sich in den FSK Freigaben für kindertaugliche Medien immer mehr Akzeptanz gegenüber solchen Inhalten.

Kurzes Fragen-Brainstorming:

Inwiefern beeinflusst diese expliziete Darstellung von Gewalt die Haltung der Kinder zum Tod?
Inwieweit findet eine Gewöhnung bis hin zur Abstumpfung statt?
Welche Positiveffekte könnten dadurch entstehen? (Verantwortungsvolle Erörterung)
Welche Effekte hat dies auf die Unterhaltungsindustrie?


Weitere Fragen? Bitte posten!
(Über die Fragen kommt man zur Antwort)

Veröffentlicht in Gedanken

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Koolteeth 04/29/2010 03:23


@Pete: Zur Frage der Motivation denke ich, dass es der Gefallen an der Situation ist, die sich im Falle des Konsums ergibt. Ich will damit sagen, dass der Konsument in erster Linie Gefallen an
seiner Position findet. Er kann in die Darstellung eintauchen, ohne jemals wirklich von ihr tandiert zu werden. Er ist in einer sicheren Position. Außerdem geschiet die Gewalt gegenüber einem
anderen. Einem anderen Menschen. Konkurenzfähige Arten genießen sicherlich auch die sichere Position beim Anblick des Ausschaltens eines Konkurrenten. Entsprechen sterben die Bösen meist
bestialisch und schnell und die Helden tragisch, sauber und langsam. Der Held entspricht unsererer Sehnsucht nach Geltung und Abgrenzung. In ihn lassen wir uns beim Konsum seiner Geschichte
besonders tief fallen.
Motivation ist also die menschliche Eigenart.


Mareike Strumm 02/25/2010 17:37


Also heut zu Tage werden die Filme immer prutaler, das stimmt. Kann mich noch erinnern, wie ich immer mit meinem Bruder Cowboy und Indianer im Laden von meiner Mutter gespielt habem. Zwischen den
Schaufensterpuppen war immer mein Versteck.


Koolteeth 02/21/2010 02:42


Das sind sehr spannende Fragen. Vielen Dank für die Denkanstöße!


Pete 05/26/2009 16:18

Was motiviert überhaupt zum vermehrten Konsum von gewaltverherrlichender Darstellung? Ist es die attraktive Verschleierung oder doch ein naturgegebenes Bedürfnis?

Wieviel "Realität" in der Darstellung ist "gesund"?

Märchenautoren waren weit vor den Videospielen damit beschäftigt, durch das Aufzeigen von Grausamkeiten bei Kindern Geld zu verdienen.
Jedoch a) war die literarische Verpackung wesentlich subtiler und b) hat sich am Schluss meist ein Lehreffekt eingestellt.

Kann der negative Einfluss durch Gewaltdarstellungen nicht durch eine interne Belehrung ausgehebelt, wenn nicht gar bekämpft werden?

Pete 05/26/2009 16:17

Was motiviert überhaupt zum vermehrten Konsum von gewaltverherrlichender Darstellung? Ist es die attraktive Verschleierung oder doch ein naturgegebenes Bedürfnis?

Wieviel "Realität" in der Darstellung ist "gesund"?

Märchenautoren waren weit vor den Videospielen damit beschäftigt, durch das Aufzeigen von Grausamkeiten bei Kindern Geld zu verdienen.
Jedoch a) war die literarische Verpackung wesentlich subtiler und b) hat sich am Schluss meist ein Lehreffekt eingestellt.

Kann der negative Einfluss durch Gewaltdarstellungen nicht durch eine interne Belehrung ausgehebelt, wenn nicht gar bekämpft werden?