Folgen unkompensierter Wohlfahrtsverluste

Veröffentlicht auf von Koolteeth

Wohlfahrtsverluste nennt man in der Volkswirtschaftslehre solche Kosten, die durch den Konsum oder die Produktion entstehen und nicht über den Kaufpreis gedeckt werden. Hier sind zum Beispiel Umweltverschmutzungen und Gesundheitsbeeinträchtigungen zu nennen, die bei der Herstellung oder beim Betrieb entstehen können.

 

Es gibt immer wieder Güter, die zu hohen Wohlfahrtsverlusten führen. Diese Kosten, die aber irgendwann kompensiert werden müssen, werden zumeist nicht von denen gedeckt, die für sie verantwortlich sind, sondern von denen, die darunter zu leiden haben.

 

Als Beispiel will ich die Folgen des Zusatzes von Zucker in Lebensmittel nennen und die Fehlverteilung der Kosten durch die Krankenkassen und die Politik aufzeigen. Bevor das Bewusstsein der Bevölkerung in Puncto gesunder Ernährung gestiegen ist, war es absolut an der Tagesordnung, Kindern süße Nahrungsmittel zu geben. Heute wird der Zucker als Geschmacksverstärker und Fettersatz beigemischt. Die Folgen sind absehbar und wissenschaftlich so eindeutig bewiesen, dass heute auch keiner mehr daran zweifelt. Diabetes und Karies gehören zu den großen Volkskrankheiten der Konsumgesellschaften. Die Behandlungskosten, eventuelle Präventionsmaßnahmen und weitere Folgekosten werden aber nicht von den Produzenten, sondern von den Betroffenen selbst verlangt.

 

Da hier der Staat beziehungsweise die Politik die einzige Regulierungsmacht innehat, ist nach den Interessen und Gründen zu fragen, warum diese Kosten so falsch verteilt werden. Unter neoliberalen Gesichtspunkten wurde lange Zeit mit der Selbstverantwortlichkeit der Menschen argumentiert. Dieses Argument ist schwach, da es gerade bei Nahrungsmitteln kaum kostengleiche Ausweichmöglichkeiten gibt. Zudem teilt es die Verantwortung eben nur sehr einseitig zu.

 

Aber genau dieses Argument und der Protektionismus der Politik gegenüber der Wirtschaft sind die Gründe für die Fehlverteilung. Um andere Lobby-Gruppen ebenfalls nicht zu verärgern, hat man zum Beispiel den Krankenkassen eingeräumt, teure Zusatzversicherungen verlangen zu dürfen, die für solche Folgeschäden aufkommen. Auch hier trifft es wieder die Verbraucher und nicht die Verursacher. Kausale Zusammenhänge, wie die frühe und erhöhte Pflegebedürftigkeit und soziale Ausgrenzungen, werden folgenschwer ignoriert und die Kosten dafür muss letztlich der Staat tragen. Selbst wenn dieser seine Politik so weiterbetreibt wie bisher und die Betroffenen schröpft, irgendwann bricht das System zusammen. Ob es gewisse Lobbies und Firmen dann aber geschafft haben, sich dem Einzugsbereich zu entziehen und Andernorts Gewinne einzustreichen, ist die große Frage, die man stellen könnte, wenn man die Engstirnigkeit und fehlende Weitsicht der Politik betrachtet.

 

Das der Staat aber gerade durch das Grundgesetz dazu verpflichtet ist, die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt zu schützen, sollte aber auch unter neoliberalen Gesichtspunkten nicht zu verneinen sein und gegen alle Argumentationen diesbezüglich angeführt und geltend gemacht werden.

Veröffentlicht in Schlechte Dinge

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