Rente mit 69! Was habt ihr gegen uns!?

Veröffentlicht auf von Koolteeth

Die Wirtschaftsweisen. Fünf weise Menschen sollte man meinen. Und dann empfehlen sie ab 2045 die Rente ab 69 Jahren! Wie dumm ist das denn!? Warum versaut ihr mir meinen schönen Morgen? Das geht doch nicht! Ich sag euch mal warum das wirklich eine saudumme Idee ist...

 

Also zunächst zu den Gründen für die Anhebung des Renteneintrittsalters:

Zum einen sei der demografische Wandel schuld an der Empfehlung, zum andern will man so die Staatsverschuldung verringern.

 

Jetzt zu meinem Vorwurf:

Wenn es immer mehr alte Menschen geben wird, dann brauchen die erstmal Arbeit bis ins hohe Alter. Jetzt muss jedem klar sein, dass wir nie wieder die "klassische" Vollbeschäftigung erreichen werden. Die 50er, 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts waren nur auf Grund der Nichtsättigung der Märkte so erfolgreich. Was Helmut Kohl so beliebt machte, war dass er diesen Zustand durch Subventionen jeglicher Art so lange herauszögerte, dass Deutschland unter Rot/Grün zu drastischen Mitteln greifen musste.

 

Diese Mittel heißen AlgII, Gesundheitsreform, kalte Progression usw. Was Rot/Grün leider versäumten, war die Verpflichtung der arbeitgebenden Teilnehmer unserer sozialen Marktwirtschaft, indem sie das Wörtchen "sozial" klammheimlich in "freie" geändert haben. So konnte Profit um jeden (asozialen) Preis zum neuen Ziel der Arbeitgeber gemacht werden.

 

Auf der anderen Seite haben wir technische Fortschritte zu verzeichnen, die in den 50ern noch als Science Fiction galten. Roboter, Computer, Internet... Die Rationalisierungswelle gleicht einem Zunamie im Gegensatz zu den vorangegangen Jahrhunderten der Industrialisierung.

 

Heute arbeiten eine Handvoll Menschen an Produkten, die durch Werbelügen angepriesen werden, damit wir als bereits gesättigte Verbraucher auch noch diese kaufen sollen. Neue Handys, die so viel können, dass wir unser altes Telefon schamvoll besser in der Tasche lassen. Auf der einen Seite sollen wir also zum Konsum verlockt werden, damit gesättigte Absatzmärkte weiterhin subventioniert werden, auf der anderen Seite benötigen wir zur Produktion kaum noch Arbeitskräfte. Konsum ohne Einkommen ist aber nicht möglich.

 

Vor dem Wirtschaftsboom handelten viele Arbeitgeber noch sozial, indem sie für das Wohl ihrer Arbeitnehmer sorgten und diese sogar zu Selbstversorgern mit eigenen Gärten und Kursen zur Haushaltsführung unterstützen. Damals wusste man noch, dass ein guter Arbeiter ein wohlhabender Arbeiter sein muss, der auch in schlechten Zeiten noch genug haben muss, um sich selbst über Wasser halten zu können.

 

Wirtschaftliche, technische und soziale Änderungen verhindern in Zukunft eine Vollbeschäftigung, außer die Zahl für Vollbeschäftigung wird nach oben hin korrigiert, was nicht mehr einer klassischen Vollbeschäftigung gleichen würde. Egal, denn unser Problem heute lautet doch, dass Arbeitnehmer nur noch das bekommen, was gerade noch so ausreicht, um sich zu ernähren. Dank Niedriglöhnen muss dann auch noch der Staat den Profithaien unter die Arme greifen, damit der Arbeitnehmer als Aufstocker lebensfähig bleibt.

 

Je älter man wird, desto härter der Zugang zu Arbeit. Das hat wirtschaftliche, soziale und biologische Gründe. Rentabilität, Jugendwahn und Schwerfälligkeit. Werden die Menschen weiterhin finanziell so sehr benachteiligt, schlägt diese Benachteiligung auf die Fitness und die Gesundheit der Arbeitnehmer durch. Wer hält da schon bis 67 durch?

 

Die Wirtschaft hingegen kränkelt nur kurz, dann wird sie zu "unserem Wohl" subventioniert und mit Milliarden gerettet. Dieses Geld kommt dann keineswegs den Arbeitnehmern zu gute, sondern verschwindet meistens wieder in Seifenblaßen irgendwo in der virtuellen Welt der Börsen. Ungestraft.

 

Wie weise kann man sein, wenn man ein Volk durch seine Wirtschaft definiert? Was wäre diese Wirtschaft ohne das Volk? Wenn wir noch länger unter solchen Konditionen arbeiten müssen, dann geht doch alles den Bach runter. Wer soll denn für all die aufkommen, die weder genug verdienen, noch gesund genug sind, um sich nach besseren Jobs umzusehen? Sie selbst heißt die Antwort der Wirtschaftsweisen. Von Sozialstaatlichkeit ist bald nur noch in Märchen zu hören. Da heißt es dann, dass sich reiche Mächte von der sozialstaatlichen Verantwortung befreien konnten und dem freien Markt fröhnten.

 

Wir müssen weg von dem Irrglauben, wir könnten weiterhin boomen. Sowas geht noch in China oder Indien, aber deren Zeit läuft schneller wieder ab, als wir glauben. Der restliche globale Markt wird sie genauso schnell ruinieren, wie er uns ruiniert. Und zwar nicht auf wirtschaftlicher Ebene, sondern auf menschlicher Ebene. Falls dort überhaupt jemals menschliche Zustände herrschen können, da der Druck auf die lokale Wirtschaft eben schon jetzt vom Weltmarkt diktiert wird. Von uns auch. Weil wir uns deutsche Produkte kaum noch leisten können, obwohl wir selbst der Grund für deren billige Produktion dank zu geringen Löhnen sind, was uns aber dann unfähig macht, diese trotzdem zu erstehen.

 

Um die deutsche Wirtschaft voranzutreiben, bedarf es keiner schnellen Anpassung an demografische Änderungen, noch der Tilgung staatlicher Schulden durch Besteuerung der Abreitnehmer. Es bedarf vielleicht einfach mal einer Pause und der Stärkung des Volkes. Dieses ist der wichtigste Teilnehmer am Markt. Produzenten und Konsumenten. Die Arbeitgeber und Finanzjongleure müssen wieder solidarisiert werden. Klar ist es toll, eine Firma hinzustellen, in der dann 50 Arbeiter Geld verdienen können. Aber das bedeutet nicht, dass deshalb nur noch die Arbeitnehmer in der Schuld stehen und sich der Firmengründer aller sozialer Pflichten entziehen kann.

Veröffentlicht in Schlechte Dinge

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roxas 08/25/2011 14:14


Die meisten sind mit 69 Jahren bei körperlicher arbeit am Ende. Es ist wirklich sehr schlecht was die da oben durchdrücken wollen.
roxas


christian 06/23/2011 09:50


Hi, ein sehr guter Artikel, hat mich gefreut diesen hier lesen zu dürfen. Ich finde, dass wir wieder zu den alten Traditionen hin gehen sollten, denn früher war ein Arbeitgeber noch sozial
eingestellt und nicht wie heute Vogel friss und stirb der nächste Arbeiter wartet schon an der Tür.